{"id":194,"date":"2013-06-24T15:45:21","date_gmt":"2013-06-24T13:45:21","guid":{"rendered":"http:\/\/initiativelayeconde.noblogs.org\/?p=194"},"modified":"2013-06-24T16:20:52","modified_gmt":"2013-06-24T14:20:52","slug":"hauptlinien-in-den-aussagen-vom-9-prozesstag-12-juni-2013-strafkammer-21-schwurgerichtssaal-218","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/initiativelayeconde.noblogs.org\/?p=194","title":{"rendered":"Hauptlinien in den Aussagen vom 9. Prozesstag, 12.Juni 2013, Strafkammer 21, Schwurgerichtssaal 218"},"content":{"rendered":"<p>In der Sitzung wurden der <strong>Gutachter Prof. Dr. Rudolf Meyer, 76 Jahre aus Blankenfelde und Prof. Dr. R. Hambrecht, 52 Jahre aus Bremen, als Herzspezialisten und Gutachter geh\u00f6rt<\/strong>. Nach der ganzen Stadtdiskussion um Einstellung war die interessierte \u00d6ffentlichkeit in Form von Presse und Fernsehen und \u00fcber 30 Prozessbeobachtenden anwesend.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist festzustellen, dass der Raum gewechselt wurde, was mehr Platz und Trennung zwischen Presse und sonstiger \u00d6ffentlichkeit bedeutet, au\u00dferdem eine gr\u00f6\u00dfere Pr\u00e4senz an Saalordnern und Polizeipr\u00e4senz. <\/p>\n<p>Die unertr\u00e4glichen Frotzeleien zwischen Staatsanwalt und Verteidiger scheinen ein Ende gefunden zu haben.<\/p>\n<p>Es gab keinerlei Hinweis der Richterin <strong>auf die f\u00fcr Freitag angesetzte Debatte um die Einstellung des Prozesses<\/strong>.<!--more--><\/p>\n<p>Beide Gutachter stellten formal fest, dass sie zu ihren jeweiligen Gutachten von 2005 in vollem Umfang stehen.<br \/>\nMeyer wurde vor allem als Herzgutachter vernommen. Er f\u00fchrt seine Aussage bzw. sein Gutachten anhand einer schriftlichen Niederschrift und Gewebeproben des Herzens aus, dabei geht er insbesondere auf eine Vorsch\u00e4digung des Herzens ein, aus seiner Sicht besteht diese Narben, die durch Viren oder andere toxische Stoffe verursacht sein k\u00f6nnen, deren Ursache aber nicht nachweisbar ist. Dies sei ungew\u00f6hnlich f\u00fcr das Alter des \u201ePatienten\u201c; auf Nachfrage der Richterin, ob es kritisch sei f\u00fcr den Gesundheitszustand, antwortet Meyer mit \u201eJa\u201c, um dann ein Beispiel aus seiner Arbeit in einer Klinik in einem sozialen Brennpunkt auszuf\u00fchren, in der Herzinfarktpatienten mit einer mehrj\u00e4hrigen Alkoholanamnese nicht mehr wiederzubeleben gewesen seien, obwohl, wie im vorliegenden Fall keine nennenswerte Vergr\u00f6\u00dferung des Herzens vorgelegen habe.<br \/>\nEs folgen weitere Nachfragen der Richterin, ob psychischer Stress ein Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Reaktionskette wie im vorliegenden Fall gewesen haben kann. Meyer wiederholt, er sei kein Kliniker und k\u00f6nne die Frage so nicht beantworten. Letztlich m\u00fcsse man als Arzt wissen, dass es solche auch vom Patienten unbemerkten Vorerkrankungen g\u00e4be. Die Richterin fragt nach Hinweisen f\u00fcr Drogen und Bluthochdruck, was beides von Meyer verneint wird.<br \/>\nAuf ihre Frage, ob die Sch\u00e4digung auf die Brechmittelvergabe zur\u00fcckzuf\u00fchren sein k\u00f6nnte, verneint Meyer, da die Narben \u00e4lter seien.<\/p>\n<p>Richterin: K\u00f6nnen die Vorsch\u00e4digungen miturs\u00e4chlich oder alleinurs\u00e4chlich sein f\u00fcr den Tod?<br \/>\nMeyer: Nein, dass sei spekulativ. Man wisse nicht wieviele Menschen in derselben Lage seien und sich beispielsweise so \u00fcber diesen Prozess aufregen, dass es zu einem Herzversagen f\u00fchre. Es g\u00e4be auch keine ausreichenden naturwissenschaftlichen Untersuchungen, wieviel St\u00fctzgewebe ein Mensch brauche. <\/p>\n<p>Die Richterin fragt noch nach Anzeichen f\u00fcr weitere Krankheiten, was der Gutachter verneint. Es g\u00e4be aber Hinweise auf eine therapeutische Intervention, die ihm 2005 noch nicht aufgefallen w\u00e4ren.<br \/>\nAuf die Frage der Richterin nach Anzeichen f\u00fcr einen pl\u00f6tzlichen Herztod, sagt Meyer, dass dieser hier nicht nachweisbar sei, er es aufgrund der Grenzen diagnostischen Verm\u00f6gens aber nicht ausschlie\u00dfen k\u00f6nne.<br \/>\nDie Vertreterin der Nebenklage, Frau Maleika hakt nach, dass Gutachter von einem toxischen Herzschaden ausgeht, den er nicht nachweisen k\u00f6nne und das Beispiel der Alkohols\u00fcchtigen verifiziere, die nicht reanimierbar gewesen seien. Laye Conde sei aber sofort nach der Sauerstoffgabe reanimiert worden. Was lie\u00dfe sich daraus schlie\u00dfen?<br \/>\nMeyer sagt die Sch\u00e4digung durch Alkohol sei in unseren Breiten am h\u00e4ufigsten, deswegen habe er dieses Beispiel erw\u00e4hnt, aber auch Viren k\u00f6nnten toxische Wirkung verursachen. Anscheinend habe die not\u00e4rztliche Ma\u00dfnahme ausgereicht, um Herrn Conde wieder ins Leben zur\u00fcckzuf\u00fchren und wer mit der Symptomatik Herzinfarkt in die Klinik komme, habe gute \u00dcberlebenschancen.<\/p>\n<p>Hauptgutachter Schneider fragt nach, ob die Angaben \u00fcber Herzgr\u00f6\u00dfe und Herzwandst\u00e4rke von ihm so \u00fcbernommen worden seien, worauf Meyer auf das in Deutschland immer noch g\u00e4ngige Normverst\u00e4ndnis aus dem Jahr 1931 eingeht und konstatiert, dass es inzwischen vielleicht neuer Normwerte bedarf, diese g\u00e4be es aber nicht.<\/p>\n<p>\u201eWir haben keine Untersuchungen von Normwerten in Afrika. Das ist ja auch so ein grober \u00dcberbegriff. Da gibt es ja auch sehr viele unterschiedliche Rassen. Es gibt dicke Menschen und d\u00fcnne Menschen&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Nach einer Einordnung gefragt, sagt Meyer, es handele sich jedenfalls in diesem Fall um ein gering vergr\u00f6\u00dfertes oder normales Herz. \u201eZugespitzt gesagt, spielt die Herzmasse hier keine Rolle.\u201c<\/p>\n<p>Wenn ich es richtig verstanden habe, schloss der Guachter Meyer es auf eine Nachfrage aus, dass die Reanimation urs\u00e4chlich f\u00fcr den Tod Condes gewesen sein k\u00f6nnte. <strong>Die Befragung des Gutachters Hambrecht <\/strong>ergibt in diesem Punkt dasselbe: das Reizleitungssystem sei nach der Intubation v\u00f6llig in Ordnung, die Herzleistung sei intakt gewesenen. Eine Besonderheit sei das schnelle Anschlagen der Medikamente und es h\u00e4tten keine typische Zusammenstellung der Laborwerte f\u00fcr Alkohol gegeben.<br \/>\nDurch die Reanimation kann es theoretisch zu einer tempor\u00e4ren Verschlechterung des Herzschlages kommen.<br \/>\nAuf die Frage der Richterin, ob derjenige selber etwas von der Vorsch\u00e4digung gewusst haben k\u00f6nnte, antwortet auch Hambrecht damit, dass 60% der schwerer als Conde vorgesch\u00e4digten Menschen keine Krankheitssymptome feststellen. Befragt, ob ein Arzt es feststellen kann, die klare Aussage Ja, als Arzt sollte man das wissen und kann es auch feststellen.<br \/>\nHambrecht f\u00fchrt aus, dass die Wirkung auf das Gehirn viel schneller gravierend wird, als auf das Herz. Durch eine Blauf\u00e4rbung der Haut des Patienten, was bei diesem Patienten vielleicht schwierig festzustellen gewesen sei, g\u00e4be es ein Warnsignal.<br \/>\nIm Folgenden geht es um die Sauerstoffs\u00e4ttigung im Blut, um die Einsch\u00e4tzung des R\u00f6ntgenbildes, um die Auswirkungen von Reflexen, die m\u00f6glicher Weise ausgel\u00f6st wurden.<\/p>\n<p>Es gab ein f\u00fcr mich nicht nachvollziehbares Hin- und Her zwischen Richterin, Hambrecht und Staatsanwalt, ob die Bradykardie (= &#8218;Langsamherzigkeit&#8216;) oder die Behandlung (mit Pinzette Spachtel W\u00fcrgreiz ausl\u00f6sen wollen?, W\u00fcrgen?) zuerst festzustellen sei&#8230;<\/p>\n<p>Die Richterin fragte etwas zur Auff\u00e4lligkeit des EKGs.<br \/>\nHambrecht kann sich nicht an ein EKG erinnern, alle Prozessbeteiligten werden zur Ansicht zur Richterin gerufen. Es scheint darum zu gehen, welches EKG den Gutachten zugrunde liegt.<br \/>\nDer Prozess wird f\u00fcr eine halbe Stunde unterbrochen, um die Akte zu durchsuchen.<br \/>\nUm 11.30 Uhr geht es mit der Frage der Richterin weiter, ob Hambrecht f\u00fcndig geworden sei, dieser muss verneinen, auch nach l\u00e4ngerer Suche findet sich in dieser Akte das EKG nicht an und er merkt an, dass er dem Gericht den Zustand dieser Akte zu bedenken geben m\u00f6chte.<br \/>\nIm Folgenden geht es l\u00e4nger um P-Wellen, die auf dem EKG nicht abgebildet sind. Nach Konsequenz aus allen Indizien gefragt, sagt Hambrecht, dass es keinen Hinweis auf einen Herzinfarkt gibt, auch nicht labormedizinisch. Im \u00fcbrigen k\u00f6nne nicht von einem pl\u00f6tzlichen Herztod gesprochen werden, das habe er auch schon gesagt!<br \/>\nDie Vorsch\u00e4digung k\u00f6nne auch nicht alleinurs\u00e4chlich f\u00fcr die Bradykardie sein, dass sie auch eine Rolle spielte, lie\u00dfe sich aber nicht ausschlie\u00dfen, in Kombination mit Hypox\u00e4mie (=wenig Sauerstoff im Blut). Es habe sich um eine reversible Bradikardie gehandelt<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcsselbefund sei die die Hypox\u00e4mie.<\/p>\n<p>Dann geht es noch um Manipulationen am Hals, dies bleibt mir aber unverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Maleika fragt, ob der Artikel der \u201eEngl\u00e4nder\u201c (zum Tod durch &#8218;Autonomen Konflikt&#8216;, den Prof. Birkholz eingef\u00fchrt hat) auch Hambrecht vorgelegt werden sollte. Auf die Frage von Hauptgutachter Schneider, ob er in der Fachwelt schon einmal etwas von einem Autonomen Konflikt geh\u00f6rt habe, verneint Hambrecht. Auch die Frage von Schneider, ob eine Pupillenverengung Hinweis auf eine Hypox\u00e4mie sein k\u00f6nne, verneint dieser.<br \/>\nJoester fragt, ob Hambrecht glaube, dass nach dem Einsatz eines Spatels der einen Reflex ausl\u00f6st, eine Bradykardie sofort oder nach 15 Minuten einsetze, Hambrecht sagt: eher sofort.<br \/>\nDie Richterin ruft die Mittagspause aus, damit sich Hambrecht den Aufsatz durchlesen kann. Unterbrechung bis 13.00 Uhr. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Sitzung wurden der Gutachter Prof. Dr. Rudolf Meyer, 76 Jahre aus Blankenfelde und Prof. Dr. R. Hambrecht, 52 Jahre aus Bremen, als Herzspezialisten und Gutachter geh\u00f6rt. 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