{"id":224,"date":"2013-08-14T23:12:49","date_gmt":"2013-08-14T21:12:49","guid":{"rendered":"http:\/\/initiativelayeconde.noblogs.org\/?p=224"},"modified":"2013-08-14T23:21:37","modified_gmt":"2013-08-14T21:21:37","slug":"begleitung-17-prozesstag-31-7-2013-strafkammer-21-schwurgericht-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/initiativelayeconde.noblogs.org\/?p=224","title":{"rendered":"Begleitung 17. Prozesstag, 31.7.2013, Strafkammer 21, Schwurgericht 1"},"content":{"rendered":"<p>Heute wurden <strong>die beiden Rettungsassistenten<\/strong> Alexander Erhut, 34 Jahre und Raphael Kiel, 48 Jahre, <strong>erneut verh\u00f6rt<\/strong>. Dabei ging es um den kurzen Zeitraum vor der Reanimation Laye Cond\u00e9s.<!--more--><br \/>\nDer Hauptgutachter Herr Schneider ist nicht anwesend, der zweite Hauptgutachter Herr Eyrich ist in der Zwischenzeit verstorben.<\/p>\n<p>Es wurden erneut die Rettungsassistenten nacheinander verh\u00f6rt, die bei dem Einsatz 2004 dabei waren. Die Befragung war ausgerichtet auf den Widerspruch, der aus den Aussagen des Notarztes und der Rettungssanit\u00e4tern entstand, bezogen auf den kurzen Zeitraum vor der Reanimation. Beide Sanit\u00e4ter wurden zu diesem Zeitraum, als die Herzfrequenz (HF) auf 34 absank, befragt und ihnen die Aussage des Notarztes (NA) sowie Teile ihrer eigenen fr\u00fcheren Aussagen vorgelesen.<br \/>\nDer Notarzt hatte in seiner Aussage vom 23.4.2008 beschrieben, dass Herr Volz den 3. Erbrechensvorgang beendet hatte ohne den Eindruck zu machen, noch Hilfe von ihm als Notarzt zu wollen und beim Einpacken war. Es sei Aufbruchstimmung gewesen. Die angek\u00fcndigte Zeit sei eh weit \u00fcberschritten und die \u00dcberwachungsger\u00e4te wie das EKG seien schon abgemacht gewesen. Er habe an der T\u00fcr gestanden, als er auf einmal gemerkt, dass sich bei Herrn Conde etwas ver\u00e4nderte. Er habe den Blick eines der Polizisten getroffen, der anscheinend denselben Eindruck hatte. Er habe ausgesehen, als w\u00fcrde er nicht mehr richtig atmen. Zu diesem Zeitpunkt habe es kein EKG und keine S\u00e4ttigungs\u00fcberwachung mehr gegeben. Er habe angewiesen, dass Ger\u00e4t wieder anzuschlie\u00dfen. Es sei bemerkt worden, dass der Sauerstoff\u00fcberwachungsklipp kaputt war und nach einem neuen geschickt worden. Wegen abfallender HF seien Notfallma\u00dfnahmen eingeleitet worden. <\/p>\n<p>Die Richterin fragt vor dem Hintergrund dieser Aussage des Notarztes, ob die Herzfrequenz die ganze Zeit durch die Sanit\u00e4ter angesagt worden w\u00e4re.<br \/>\n<strong>Herr Erhut<\/strong> berichtet in seiner Aussage, dass sie anfangs das EKG ausgedruckt h\u00e4tten und dann sp\u00e4ter noch eins. Die erste HF sei angegeben worden und dann immer wieder, wenn sich etwas \u00e4ndere. So w\u00fcrde das standardm\u00e4\u00dfig immer gemacht. Er kann sich nicht mehr genau an diese Situation erinnern, geht aber davon aus, dass es auch in diesem Fall so war. Herr Kiel habe irgendwann das Absinken der HF auf 33 dem NA angesagt. Er habe das mehrfach gemacht, bis der NA reagiert habe. Ob er auf das akustische Signal reagiert h\u00e4tte oder selber auf die Messwerte geschaut habe, wei\u00df er nicht mehr genau. Als Rettungsassistenz sei es ihr Job, die Vitalwerte zu \u00fcberpr\u00fcfen und deren Ver\u00e4nderung anzusagen, solange bis eine Reaktion vom NA komme, d.h. solange bis sie w\u00fcssten, dass die Information angekommen sei. Wer die Ausdrucke gemacht bzw. angeordnet habe, wei\u00df er nicht mehr. <\/p>\n<p>Die Richterin liest die Aussage des NA von 2008 vor (s.o.) und fragt nach der Erinnerung von Herrn Erhut zu dieser Situation:<br \/>\nHerr Erhut sagt, dass der Notarzt am Tisch gesessen und das Protokoll geschrieben habe. Er habe so gesessen, dass er den Patienten nicht habe sehen k\u00f6nnen. Der Notarzt habe da gesessen und nichts gemacht, damit war er als Sanit\u00e4ter nicht einverstanden gewesen. Er kann sich nicht erinnern, dass der NA an der T\u00fcr stand.<br \/>\nDie Elektroden seien zwischenzeitlich nass geworden, wegen des Wassers und mussten wieder neu angeklebt werden. (Er wird darauf hingewiesen von der Richterin und Herrn Joester, dass dieser Vorgang relativ zu Beginn des Einsatzes gewesen ist, dass geht aus dem Protokoll hervor).<br \/>\nHerr Volz habe mehrfach gefragt, ob er weitermachen k\u00f6nne oder nicht. Der NA habe geantwortet: ist mir doch egal. Der RA habe gefragt, sollen wir das Ger\u00e4t abmachen oder nicht. Der NA habe gesagt: \u201eabmachen.\u201c <\/p>\n<p>Die zwei EKG Ausdrucke werden angeschaut und besprochen. Es geht darum, warum die Sauerstoffs\u00e4ttigungslinie darauf zu erkennen ist und bei welchen Fehlern das Ger\u00e4t anfange zu piepen.<br \/>\nSauerstoffs\u00e4ttigung: Es geht immer wieder darum, ob und wann die Sauerstoffs\u00e4ttigung gemessen wurde, wann das sichtbar war auf dem Ger\u00e4t. Dazu gibt es keine weiterf\u00fchrenden Erinnerungen bei beiden Sanit\u00e4tern. Sie erinnern sich, dass damit was gewesen ist und das ein neuer Klipp aus dem Notarztwagen geholt wurde.<br \/>\nEs wird dazu das Protokoll von Herrn Sch\u00fctte (Fahrer des Rettungswagens) verlesen, der angibt, wegen des zerbrochenen Klipps rausgewesen zu sein, einen neuen aus dem Notarztwagen geholt zu haben und als er wieder hereinkam, sei die Situation ver\u00e4ndert gewesen, weil Herr Conde jetzt flach lag und beatmet wurde. Herr Joester weist mehrfach auf diese Zeugenaussage hin.<\/p>\n<p>Joester wei\u00dft darauf hin, dass ein Polizeibeamter die Aussage gemacht hat, er h\u00e4tte als erstes darauf hingewiesen, dass Laye Conde flach atme und etwas nicht in Ordnung sei.<br \/>\nHerr Erhut bleibt dabei, dass sein Kollege Kiel die Bradykardie mehrfach angesagt habe, und dann erst der NA irgendwann reagiert habe. Dieser habe auf seinem Platz gesessen und den Bericht geschrieben. Dann habe er gehandelt und Atropin und weiteres angeordnet. <\/p>\n<p>Auf die Frage von Frau Maleika, ob von Herrn Volz eine Reaktion gekommen sei zum Absinken der HF, sagt der Sanit\u00e4ter, er arbeite mit dem Notarzt zusammen und gebe diesem die R\u00fcckmeldungen. Dieser sei ihm weisungsbefugt. Auf Herrn Volz sei er in dieser Situation nicht fokussiert gewesen. <\/p>\n<p>Die Richterin befragt Herrn Erhut zu seiner fr\u00fcheren Aussage, er habe sich umgedreht und \u201esaubergemacht\u201c, dann habe Kiel seinen Namen gerufen, er habe sich umgedreht und die Reanimation sei schon im Gange gewesen. Sie habe den Eindruck, als sei der Vorfall eingetreten, obwohl man gar nicht damit gerechnet habe. Herr Joester und der Staatsanwalt meinen, dass eine Situation ja nicht so dramatisch sein kann oder nicht als dramatisch interpretiert wurde von Herrn Erhut, wenn jemand sich umdrehe und sauber mache.<br \/>\nHerr Erhut macht deutlich, dass er sicher nicht in dem Sinne sauber gemacht habe. Er wisse nicht mehr, was er genau gemacht habe, wahrscheinlich habe er Dinge wegger\u00e4umt. Er sei in der Lage die Dramatik der Situation erkennen, wenn eine HF bei 34 liege. Ob der Patient schon in ge\u00e4nderter Position flach lag, als er sich umdrehte, wisse er nicht mehr. <\/p>\n<p>Der zweite Rettungsassistent<strong> Herr Kiel<\/strong> wird weitgehend zum Selbigem befragt.<br \/>\nEr habe nicht permanent auf das Display geschaut, ab bestimmter HF g\u00e4be es ein Signal, auf das habe er reagiert und die HF weitergegeben. Er wei\u00df nicht mehr genau, was er im Detail sagte, auf jeden Fall den Inhalt, dass die HF absinke. Irgendwann habe sich der NA bewegt, alles sei relativ schnell gegangen, der Patient sei sehr bald reanimationspflichtig gewesen und alle Ma\u00dfnahmen getroffen worden. Atropin aufzuziehen gehe ja auch schnell. Bei der HF von 34 habe er Bescheid gegeben, bei der HF von 23 sei angefangen worden zu reanimieren. Genaue Zeitangaben kann er nicht machen.<br \/>\nNach Verlesen des Protokolles des NA aus 2008 sagt Herr Kiel, dass dies so nicht stimme. Der NA habe zwar gesagt, dass sie das EKG abmachen k\u00f6nnen. Er selber habe aber darauf bestanden, dass dieses dranbleibt, solange sie als Notfallteam im Raum sind. Es sei die ganze Zeit nicht abgemacht worden. Sonst h\u00e4tte er die Bradykardie ja auch gar nicht ansagen k\u00f6nnen. Der Blutdruck wurde zu dieser Zeit nicht gemessen. Es kann sein, dass Blutdruckmessger\u00e4t zu dieser Zeit schon abgenommen war. Nach seiner Erinnerung ist der NA noch am Tisch gewesen und nicht an der T\u00fcr.<br \/>\nDie Richterin sagt, dass sie wisse, dass die Rettungsassistenten mit dem Verhalten des NA nicht einverstanden seien. Sie verliest ein fr\u00fcheres Stichwortprotokoll, welches von ihm unterschrieben sei. Nach dem Neuankleben der Sonde sei einige Zeit vergangen, dann habe Herr K. die absinkende HF angesagt.<br \/>\nBefragt zur Situation, in der der Kollege sich umgedreht und \u201esaubergemacht\u201c habe, sagt er, dass er das nicht mehr wisse.<br \/>\nDer Staatsanwalt fragt, ob Herr Volz nach den Vitalwerten geschaut hat oder sich in irgendeiner Weise daf\u00fcr interessiert hat. Das habe er nicht explizit, allerdings habe Herr Volz einen besseren Blick auf die Werte gehabt, weil er ja viel n\u00e4her dran war.<br \/>\nJoester liest aus dem Vernehmungsprotokoll der Polizei vor, wo Herr Kiel ausgesagt hat, zwischenzeitlich rausgegangen und einen Spatel f\u00fcr Herrn Volz geholt zu haben. Herr Kiel kann sich an diesen Vorgang nicht mehr erinnern. <\/p>\n<p><strong>Anschlie\u00dfend stellt Herr Joester stellt zwei Beweismittelantr\u00e4ge:<\/strong><br \/>\na) Vorladung von Herrn Henning Scherf mit folgender Begr\u00fcndung:<br \/>\nHerr Scherf habe als ehemaliger Justizsenator und B\u00fcrgermeister ma\u00dfgeblich dazu beigetragen, dass die Brechmittelvergabe in Bremen so konsequent durchgezogen worden sei, obwohl andere Bundesl\u00e4nder sich von diesem Verfahren bereits abgewandt hatten. Er habe als Justizsenator Druck auf die Gesundheitssenatorin ausge\u00fcbt, die gegen die Brechmittelvergabe gewesen sei. Auch in seiner Zeit als B\u00fcrgermeister habe er die<br \/>\nBrechmittelvergabe geduldet und unterst\u00fctzt. \u00c4rzten, die die Brechmittelvergabe verweigerten, h\u00e4tten mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen gehabt.<\/p>\n<p>Frau Maleika h\u00e4lt diesen ersten Antrag f\u00fcr das Verfahren nicht f\u00fcr notwendig, da es hier um einen konkreten Fall von Brechmittelvergabe und dessen Umst\u00e4nde und nicht um das allgemeine und politische Klima gehe. Der Staatsanwalt stimmt dem Antrag zu. Die Richterin macht deutlich, dass so eine Vorladung nicht einfach sei und auch nicht so schnell gehen werde.<\/p>\n<p>b) Begehung der Zelle, um einen Eindruck von der Akustik des Raum zu kriegen. Begr\u00fcndung: Herr Joester geht davon aus, dass die Akustik in dem Raum normal ist und alle Beteiligten relativ nah um Laye Conde herum gewesen sind. Ein Husten h\u00e4tte zu h\u00f6ren sein m\u00fcssen. Der Staatsanwalt und Frau Maleika stimmen dem Antrag zu.<\/p>\n<p>Joester fragt nach, ob inzwischen Kontakt zur Mutter von Laye Conde hergestellt wurde, weil sonst die Nebenklage rechtlich ein Problem mit ihrem Mandat bekomme. Ein telefonischer Kontakt w\u00fcrde ihm hierf\u00fcr nicht ausreichen.<br \/>\nDie Richterin sagt, dass sie \u00fcber die Botschaft versucht Kontakt zu bekommen und dass das bisher nicht gelungen sei. Sie bittet Frau Maleika um Mithilfe f\u00fcr den Kontakt. Frau Maleika sagt, dass sie damit in Arbeit sei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wurden die beiden Rettungsassistenten Alexander Erhut, 34 Jahre und Raphael Kiel, 48 Jahre, erneut verh\u00f6rt. 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