{"id":326,"date":"2014-03-05T12:19:38","date_gmt":"2014-03-05T11:19:38","guid":{"rendered":"http:\/\/initiativelayeconde.noblogs.org\/?p=326"},"modified":"2014-03-05T12:19:38","modified_gmt":"2014-03-05T11:19:38","slug":"326","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/initiativelayeconde.noblogs.org\/?p=326","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p><strong>Warum ein Denkmal, das an Laye Cond\u00e9 erinnert?<\/strong><\/p>\n<p>Im R\u00fcckblick auf die letzten 20 Jahre l\u00e4sst sich feststellen, dass die Vergabe von Brechmitteln einen mehrfachen Paradigmenwechsel erfahren hat:<br \/>\nVom \u201eallt\u00e4glichen Beweissicherungsmittel\u201c hin zu einer Ma\u00dfnahme, die die Betroffenen \u201ein unmenschlicher und erniedrigender Weise\u201c straft oder gar als Folter anzusehen ist (Versto\u00df gegen Art. 3 Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention);<br \/>\nvom unbeirrten Festhalten an [der Notwendigkeit dieser Ma\u00dfnahme und der Belobigung der ausf\u00fchrenden Beamten und \u00c4rzte hin zu der Erkenntnis, dass durch sie die W\u00fcrde des Menschen und damit die W\u00fcrde jedes einzelnen Betroffenen verletzt wurde;<br \/>\nvom selbstgewissen Glauben an die Legitimation staatlichen Handeln zur Einsicht, dass hier die Grenzen staatlich legitimen Handelns \u00fcberschritten wurden.<!--more--><\/p>\n<p>Dieser Wandel ist auch in der Sichtweise zentraler politischer Akteure angekommen:<br \/>\nR\u00fcckblickend habe es sich \u201eals schlimmer Fehler erwiesen\u201c, dass trotz des Todes von Achidi John \u201eder zwangsweise Brechmitteleinsatz in Bremen weiterbetrieben wurde&#8220;, hei\u00dft es in einem Brief der SPD-Fraktion an die <em>Initiative in Gedenken an Laye-Alama Cond\u00e9<\/em>.<br \/>\nInnensenator M\u00e4urer schreibt uns in Absprache mit Herrn B\u00fcrgermeister B\u00f6hrnsen: \u00bbDer Tod eines Menschen, zumal wenn er in staatlicher Obhut stand, ist schrecklich und nicht zu entschuldigen. Der Schutz der Menschenw\u00fcrde in Artikel 1 unseres Grundgesetzes gilt f\u00fcr alle Menschen, unabh\u00e4ngig davon, ob sie sich strafbar gemacht haben, nur im Verdacht stehen oder nicht.\u00ab<br \/>\nDie <em>Initiative in Gedenken an Laye-Alama Cond\u00e9<\/em> f\u00fchlt sich durch das Vorhaben, im Viertel ein Denkmal aufzustellen, mit der staatlicherseits geraubten W\u00fcrde Laye Cond\u00e9s verbunden. Laye Cond\u00e9 wurde in Bremen \u00fcber zwei Stunden der zwangsweisen Brechmittelvergabe unterzogen; drei Mal musste er \u00fcber sich ergehen lassen, dass ihm der Sirup Ipecacuanha und gro\u00dfe Mengen Wasser mit Gewalt eingefl\u00f6\u00dft wurden. Laye Cond\u00e9 war 35 Jahre jung und w\u00fcrde aller Voraussicht nach heute noch leben, wenn er nicht am 27.12.2004 im Zuge einer staatlichen Ma\u00dfnahme ums Leben gebracht worden und am 7. Januar 2005 letztlich gestorben w\u00e4re.<br \/>\nStaatliches Handeln hat Laye Cond\u00e9 um sein fundamentales Recht auf Leben gebracht \u2013 obwohl das Grundgesetz der Bundesrepublik genau dieses Recht in Artikel 2 ohne Einschr\u00e4nkung garantiert. Artikel 1 dieses Gesetzes beginnt bekanntlich mit den Worten: \u201eDie W\u00fcrde das Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu sch\u00fctzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt\u201c. So aber ist Laye Cond\u00e9 durch staatliche Gewalt get\u00f6tet worden und hinterlie\u00df eine Mutter und Geschwister, die noch immer um ihn trauern.<br \/>\nOhne staatliches Zutun w\u00fcrde Laye Cond\u00e9 heute noch leben. Um f\u00fcr diese Tatsache und das Wissen darum die politische Verantwortung zu \u00fcbernehmen, braucht es ein deutliches Zeichen f\u00fcr die Zukunft. Unserer Ansicht nach ist ein Denkmal ein solches Zeichen.<\/p>\n<p>F\u00fchrende Bremer Politiker weisen in Briefen an die <em>Initiative in Gedenken an Laye-Alama Cond\u00e9<\/em> auf Art. 1 und Art. 2 GG hin (23.10.2013 Innensenator M\u00e4urer, 07.10.2013 SPD-Fraktionsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Pietrzok) und bezeichnen es als \u201eFehler, die zwangsweise Vergabe von Brechmittel nicht fr\u00fcher beendet zu haben\u201c (SPD-Landesvorsitzender Bovenschulte). Dies bedeutet konsequent zu Ende gedacht, dass es von Beginn an ein Fehler war, die gesamte Ma\u00dfnahme, die sp\u00e4testens seit dem Urteil des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs f\u00fcr Menschenrechte als Folter bezeichnet werden kann, jemals begonnen zu haben. Es ist ein \u201eFehler\u201c, den der Bremer Senat, die Justiz, die B\u00fcrgerschaft \u00fcber ein Jahrzehnt verantwortet und den die Bremer Polizei \u00fcber 1.000 Mal begangen hat.<br \/>\nIm Prozess gegen den beteiligten Polizeiarzt hat der ehemalige B\u00fcrgermeister Henning Scherf noch einmal nachdr\u00fccklich die langj\u00e4hrige Einm\u00fctigkeit und Entschlossenheit aller Verantwortlichen betont. \u00dcber 1.000 Mal wurden in der Hansestadt Bremen Brechmittel eingesetzt, die damit den Spitzenplatz in der Bundesrepublik einnimmt.<br \/>\nUnserer Ansicht nach ist die Bremer Politik den Betroffenen dieser \u00fcber 1.000 Eins\u00e4tze etwas schuldig. Die Begleichung dieser Schuld muss wohl zum Teil notwendig symbolisch bleiben, da die \u00fcber ein Jahrzehnt andauernde allt\u00e4gliche Realit\u00e4t mit ihren gesundheitssch\u00e4dlichen, traumatisierenden und t\u00f6dlichen Folgen nicht zur\u00fcckgenommen werden kann. Ein \u00f6ffentlich einger\u00e4umtes Eingest\u00e4ndnis von politisch verantwortlicher Seite, dass die Brechmittelvergabe insgesamt ein \u201eFehler\u201c war, k\u00f6nnte diese Leerstelle im Ansatz f\u00fcllen. Dar\u00fcber hinaus w\u00e4re gerade ein \u00fcber die Zeit bleibendes Zeichen wie ein bleibendes Denkmal unserer Ansicht nach ein probates Mittel.<br \/>\nDas Denkmal in Erinnerung an Laye Cond\u00e9 w\u00fcrde schlussendlich darauf verweisen, dass \u201eso etwas\u201c nie wieder passieren darf. Denn nicht nur bei der Vergabe von Brechmitteln, sondern \u00fcberhaupt hat staatliches Handeln die Grenzen seiner Legitimation \u00fcberschritten, wenn dabei ein Mensch get\u00f6tet wird. Ein aufgekl\u00e4rter demokratischer Staat tut gut daran zu zeigen, dass er sich dessen bewusst ist. Insofern w\u00fcrde sich ein Denkmal einreihen in gr\u00f6\u00dfere Gedenktraditionen, wie sie sich in der Bundesrepublik entwickelt und bew\u00e4hrt haben.<br \/>\nAls <em>Initiative in Gedenken an Laye-Alama Cond\u00e9<\/em> wollen wir keine Vorgaben machen, wie ein solches Denkmal konkret auszusehen hat. Mit Blick auf das bisher Gesagte ist aus unserer Sicht jedoch klar, dass es sich um ein deutlich sichtbares Zeichen an einer frequentierten Stelle der Stadt handeln m\u00fcsste. Der Br\u00fcckenschlag, den ein solches Denkmal darstellen k\u00f6nnte, w\u00e4re aus unserer Sicht auch damit gest\u00e4rkt, wenn es sich den Erinnerungskulturen ann\u00e4hert, die dem get\u00f6teten Laye Cond\u00e9 bekannt waren. In diesem Sinne sind wir im Gespr\u00e4ch mit der Familie des Verstorbenen aus Sierra Leone\/Guinea und haben erste Kontakte mit in Bremen lebenden K\u00fcnstler_innen aus Westafrika aufgenommen.<\/p>\n<p>Initiative in Gedenken an Laye-Alama Cond\u00e9<br \/>\nBremen, Februar 2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum ein Denkmal, das an Laye Cond\u00e9 erinnert? 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